Blind sein – was bedeutet das für den Alltag

For those who can‘t

Blind sein – was bedeutet das für den Alltag

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Du genießt dein Leben in vollen Zügen? Es ist laut, bunt und manchmal auch eine Mischung aus diesen beiden Dingen. Du nimmst all deine Empfindungen über Deine Sinnesorgane wahr. Doch was bedeutet es, wenn Du Farben plötzlich nicht mehr wahrnehmen kannst beziehungsweise dies nie konntest, weil Deine Augen nicht sehen? 

Blind sein ist ein Schicksal, ein brutales und schmerzvolles obendrein. Es gibt kaum eine Einschränkung, die Du schlimmer findest, als das bunte Treiben in Deiner Umgebung zu verpassen, weil Du blind bist? Das sind berechtigte Ängste und Vorstellungen, denn Dein Alltag wäre ein anderer – und zwar in sämtlichen Bereichen, ungeahnten Ausmaßes.

Arbeiten, Einkaufen, Freizeitbeschäftigungen, Freunde treffen. Alles ist anders. Deine Augen und deren Aufgaben müssen durch andere Sinnesorgane und Hilfsmitteln „ersetzt“ werden, doch im Grunde kann man Augenlicht nicht einfach ersetzen, sondern man kompensiert es lediglich. Hilfen für den Alltag sehen demnach unter anderem folgendermaßen aus:
Um draußen von A nach B zu gelangen, sind wir auf unsere Augen angewiesen. Wenn diese ausfallen, braucht es Alternativen und ein Blindenstock ist ein gemeinhin bekanntes Hilfsmittel für Blinde. Er dient der Orientierung, sich nicht bei Stürzen zu verletzen oder den Halt zu verlieren.

Ein Blindenführhund bietet zudem die Möglichkeit der sozialen Interaktion. Er ist speziell geschult und kann in sämtlichen Situationen, vor allem außerhalb der eigenen vier Wände, ob beim Spaziergang oder beim Einkauf, eine wertvolle Stütze sein.
Doch auch neuartige, technische Möglichkeiten stehen mittlerweile zur Verfügung, wenn man erblindet ist oder es von Geburt an war: Es handelt sich um ein sogenanntes „Klicksonar“, welches ein Echo erzeugt und somit Richtungen und Entfernungen auch ohne Augenlicht abschätzen lassen kann.

Ebenso gängige Methoden, die zur Anwendung kommen als typische Hilfsmittel beim Blind sein, sind Methoden wie die Schleiftechnik, wobei ein Stock unmittelbar über dem Boden streift, die Pendeltechnik, welche ähnlich funktioniert wie die Schleiftechnik und besser dazu geeignet ist, den Abstand zu einem Hindernis zu erkennen. Diese rhythmischen Bewegungen lassen Orientierungspunkte besser erkennen.

Der optimale Schutz und gleichzeitig das beste „Hilfsmittel“ ist eine menschliche Begleitperson. Sie ist in jeder Situation außerdem ein Ansprechpartner, eine soziale Komponente in sprichwörtlich düsteren Zeiten. Jene menschliche, helfende Hand kommt natürlich vor allem in puncto Körperpflege und Haushalt zum Tragen. Hier kannst Du jede unterstützende Hand sehr gut gebrauchen.

Blind sein bedeutet auch, sich zu helfen wissen. Der Umgang mit dieser enormen Einschränkung – sowohl im körperlichen wie auch mentalen Bereich – stellt Dich als Betroffener/Betroffene vor immense Herausforderungen. Sich mit diesem Schicksal abzufinden und es zu akzeptieren verlangt enormen Willen, auch Geduld. Dies gilt insbesondere für plötzlich erblindete Menschen. Blind sein bedeutet auch das Perfektionieren anderer Sinnesorgane, wie den Ohren. Diese werden nämlich durch den Wegfall der Sehkraft ungemein wichtig, im Grunde sind sie eine Lebensversicherung für Betroffene. Natürlich spielt der Tastsinn ebenso eine übergeordnete Rolle und gemeinsam mit dem Hörsinn bildet er das Grundgerüst, um mit anderen Menschen zu interagieren.

Ein Leben im Dunkeln zu führen ist ungemein schwierig. Blind sein ist mehr als nur eine gewöhnliche Einschränkung. Das Leben ohne Augen bietet keine Vielfalt, keine optischen Reize, die das Leben erst lebenswert machen. Umso wichtiger werden nun mentale Stärke, das Erlangen neuer Fähigkeiten und das Erleben auf andere Art und Weise. Wie Du als Betroffener Deine neue und vielleicht auch alte Welt neu zum Strahlen bringst, mit Leben füllst und Deinen Traum auf Deine Weise weiterlebst, liegt in entscheidendem Maße an Dir selbst. Du entscheidest, wo der Weg hinführt und wer diesen Weg mit Dir geht. So steinig Dein Weg auch sein mag, er kann trotzdem zum Ziel führen. Vielleicht ist es gerade der Blinde, der mehr sieht als alle anderen zusammen. 

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