Man schätzt, dass es in Deutschland gut eine Million blinde und sehbehinderte Menschen gibt. Aufgrund der alternden Gesellschaft wird diese Zahl in den nächsten Jahren vermutlich noch zunehmen. Dennoch wissen viele Menschen nicht, wie sie mit Blinden umgehen sollen. Denn wenn Du keinen blinden oder sehbehinderten Menschen in Deiner Familie oder in Deinem Freundeskreis hast, wirst Du den Umgang mit Blinden Menschen nie gelernt haben. Das heißt nicht, dass Du nicht helfen willst, wenn Du auf der Straße einen Menschen siehst, der sich aufgrund des fehlenden Sehvermögens schwertut. Nein, Dir fehlt einfach die Erfahrung und die Art und Weise, wie Du am besten hilfst und was der beste Umgang mit blinden Menschen ist. Denn einerseits möchtest Du helfen, aber andererseits den Menschen aber nicht bevormunden oder übergehen.

Die wichtigste Grundregel im Umgang mit blinden Menschen: Sprechen

Deswegen ist eine der wichtigsten Grundregen im Umgang mit blinden Menschen: Spreche die blinde Person einfach direkt an. Und zwar am besten von vorne. Ein „Don´t“ ist es hinter einem Blinden Menschen herzuschleichen und ihn oder sie dann von hinten anzusprechen. Das kann bei der Person ein Gefühl der Verfolgung und Verunsicherung auslösen. Wenn Du die Person allerdings direkt, nett und hilfsbereit von vorne ansprichst, dann erfährst Du, ob der Mensch Hilfe benötigt oder alleine zurecht kommt. Denn blinde Menschen können zwar nicht sehen, aber sie können in den meisten Fällen ein eigenverantwortliches Leben führen und viele Dinge eigenständig erledigen. Sei deswegen auch bitte nicht enttäuscht oder beleidigt, wenn im Umgang mit blinden Menschen Deine Hilfe abgewiesen wird.

Eigenverantwortlichkeit steht an erster Stelle

Denn für viele blinde Menschen ist es enorm wichtig, dass sie sich selbstständig und eigenverantwortlich fühlen und so gut es geht, alleine durchs Leben gehen können. Deswegen ist es sehr wichtig, dass Du einem blinden Menschen stets auf Augenhöhe begegnest. Sprich den Blinden direkt an und frage konkret, ob er Hilfe benötigt. Bitte achte darauf, dass Du den Blinden rücksichtsvoll, aber nicht mitleidig behandelst. Letzteres wirkt sehr respektlos und würde bei dir auch nicht gut ankommen – ist also ein absolutes „Don´t“ im Umgang mit blinden Menschen. Bevormunde auch keinen blinden Menschen und sei nicht beleidigt, wenn Deine Hilfe abgewiesen wird. Dränge deswegen nie Deine Unterstützung auf. Blinde Menschen haben sehr gut gelernt, auf ihre eigene Art und Weise durchs Leben zu gehen und kommen oft sehr gut alleine zurecht. Das dauert vielleicht manchmal etwas länger und wirkt für einen sehenden Menschen etwas unbeholfen. Allerdings ist für viele Menschen hier die Selbstbestimmtheit das allerwichtigste. Lieber benötigt ein blinder Mensch etwas länger für eine Sache und kann sie selbstständig ausführen, als dass er bevormundet wird und somit ständig auf Hilfe angewiesen ist und bleibt.
Deswegen ist es sehr wichtig, dass Du dem Blinden auf die Art und Weise hilfst, die für ihn am besten ist. Wenn Du also einem blinden Menschen helfen willst, sei sein Assistent. Lasse Dir genau erklären, welche Hilfe er benötigt und unterstütze ihn so. Versuche ihm nicht Deine Sichtweise aufzudrängen.
Die meisten blinden Menschen sind aber in der Regel für Hilfe dankbar. Um Dir zu zeigen, wie Du blinden und sehbehinderten Menschen im Alltag am besten helfen und sie unterstützen kannst, gibt es im folgenden einige Tipps für den Umgang mit blinden Menschen:

Im Bus: Biete einem Blinden Deinen Sitzplatz an

Wenn Du in einem öffentlichem Verkehrsmittel, wie einem Bus oder Straßenbahn annimmst, dass ein Blinder gerade Hilfe benötigt, solltest Du am besten so vorgehen: Spreche den Blinden zuerst an. Eine ganz wichtige Regel im Umgang mit blinden Menschen ist es, dass Du sie immer zuerst ansprichst, bevor Du sie in eine Richtung bewegst. Wenn der Blinde Hilfe möchte, kannst Du ihm eine Haltestange zeigen. Wenn er das möchte, kannst Du dem Blinden auch anbieten, dass er sich bei dir einhängt. Im Normalfall reicht es, wenn ein Mensch einen Blinden unterstützt. Ein Blinder muss nicht zu zweit in einen Bus hinein gehievt werden, denn gehen kann er im Normalfall sehr gut. Wenn der Blinde sich setzen möchte, kannst Du ihm helfen, indem Du Deine Hand auf die Sitzlehne legst und ihm so zeigst, wo er sich setzen kann. Es kann allerdings auch gut passieren, dass ein Blinder im Bus oder in der Straßenbahn stehen bleiben möchte.

Auf der Straße: Biete Deine Hilfe bei der Straßenüberquerung an

Auch auf der Straße gilt im Umgang mit blinden Menschen: Immer zuerst ansprechen! Wenn Du die Person also gefragt hast, ob er oder sie Hilfe benötigt, kannst Du aktiv werden. Wenn der Blinde also Hilfe möchte, kannst Du ihm Deinen Arm anbieten und er kann sich bei Dir einhängen. Dann könnt ihr gemeinsam die Straße überqueren. Oft können Blinde sehr gut alleine Straßen überqueren. Manchmal benötigen Sie aber auch den Hinweis, welche Farbe die Ampel halt, falls es kein System für Blinde gibt oder das zum Beispiel gerade nicht funktioniert.

Biete Hilfe beim Treppensteigen an

Wenn Du denkst oder siehst, dass jemand beim Treppen steigen Hilfe benötigt, gilt auch hier wieder die oberste Regel im Umgang mit Blinden: Zuerst Fragen! Signalisiert die Person, dass sie Hilfe benötigt, kannst Du sie unterstützen, indem Du seine oder ihre Hand in Richtung des Handlaufs führst. Normalerweise kann eine blinde Person anschließend alleine weiterlaufen. Manchmal ist auch ein Hinweis auf den Beginn oder das Ende der Treppe hilfreich.

Wenn Dich ein Blinder nach einem Ort fragt, erkläre es ihm einfach und genau

Wenn ein Blinder Dich nach dem Weg oder einer Sache fragt, sei beim Erklären ganz genau und präzise. Ausdrücke wie „dort“ und „hier“ sind für einen Blinden schwierig nachzuvollziehen. Für einen sehenden Menschen ist es leicht zu sehen, wo zum Beispiel ein Schlüssel abgelegt ist. Einem Blinden musst Du allerdings ganz genau erklären, dass der Schlüssel in der Nähe der rechten Tischkante etwa auf vier Uhr liegt. Manchmal helfen auch akustische Signale, denn bei blinden Menschen ist oft der Gehörsinn wesentlich deutlicher ausgeprägt, als das bei Sehenden Menschen der Fall ist.

Der Blinde als mündiger Bürger

Blinde Menschen haben einen einzigen Nachteil: Sie können nicht sehen und müssen deswegen die Welt über andere Sinne wahrnehmen – allen voran der Gehörsinn und der Tastsinn. Das bedeutet aber nicht, dass Blinde keine mündigen Bürger sind und nicht alleine Entscheidungen treffen können. Im Umgang mit blinden Menschen ist es deswegen sehr wichtig, diesen Menschen wie jeden anderen auch zu behandeln. Natürlich benötigt manche blinde Person öfter Hilfestellung und Unterstützung, allerdings kann eine blinde Person sehr gut alleine Entscheidungen treffen. Selbst wenn eine blinde Person in Begleitung kommt, solltest Du sie bewusst wahrnehmen und ansprechen. Ein Blinder muss nicht über seine Begleitung kommunizieren, denn reden kann er oder sie. Ein Blinder kann auch alleine entscheiden, was er essen und trinken möchte, was er anziehen möchte und welche Musik er hören möchte.

Mit Blinden unterwegs

Wenn Du zusammen mit einem Blinden unterwegs bist, zum Beispiel abends in einer Bar, sag einfach kurz Bescheid, wenn Du einen Freund oder Bekannten erspäht hast, und Dich kurz mit ihm unterhältst. Denn was ein sehender Mensch sofort erkennt, bleibt einem blinden Menschen erst einmal verborgen. Deswegen erleichtert hier ein kurzer Hinweis den Umgang mit Dir und dem blinden Menschen. Mit blinden Menschen ins Kino zu gehen, ist übrigens überhaupt kein Problem, wenn Du einige Dinge beachtest. Denn in vielen Kinos gibt es mittlerweile Audiodeskription speziell für blinde Menschen. Es ist außerdem interessant, eine Fernsehsendung einmal auf diese Weise zu sehen. Denn dann erschließt sich Dir die Wahrnehmung eines Blinden besser und Dein Umgang mit blinden Menschen wird sich verbessern.

Blinde Menschen am Arbeitsplatz

Wenn Du in Deiner Firma einen blinden Kollegen hast, behandle ihn als ganz normalen und vollwertigen Kollegen. Dank moderner Technik können heute viele Menschen am Arbeitsleben partizipieren und Inklusion kann gelebt werden. Firmen haben somit einen guten Mitarbeiter und der blinde Mensch kann am normalen Leben teilnehmen und seinen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Das hat für beide Seiten Vorteile. Binde also den Blinden in alle Abläufe mit ein. Wahrscheinlich hat er oder sie durch ihre Behinderung eine ganz andere Art und Weise mit Dingen umzugehen. Und das kann sehr bereichernd für euer Team sein.

Kommunikation im Umgang mit blinden Menschen

Die moderne Technik macht es möglich, dass blinde Menschen heute wesentlich einfacher mit Mitmenschen kommunizieren können, als früher. Blinde Menschen können im Internet surfen und Emails verschicken. Dank Sprachausgabe ist das möglich. Ganz einfach ist mittlerweile die Kommunikation mittels Sprachnachrichten geworden. Aber auch reguläre Textnachrichten auf dem Telefon sind kein Problem für einen blinden Menschen. Auch Smartphones sind kein Problem für blinde Menschen. Denn es gibt spezielle Features, die Ihnen die Bedienung ermöglichen.
Habe also in Zukunft keine Scheu im Umgang mit blinden Menschen. Wenn Du ein paar Grundregeln beherzigst und die Do’s and Dont’s im Umgang mit blinden Menschen beherzigst, kannst Du blinden Menschen wunderbar helfen und sie im Alltag unterstützen, wo sie Hilfe benötigen.

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