„DIE WELT IST VOLL VON MAGISCHEN DINGEN, DIE GEDULDIG DARAUF WARTEN, DASS UNSERE SINNE SCHÄRFER WERDEN.“ WILLIAM BUTLER YEATS

Um so viel wie möglich von unserem Leben zu haben, glaube ich stark daran, dass wir all unsere Erfahrungen selbst machen und alle Dinge, die wir verrichten, so gut wie nur möglich erledigen müssen. Echoortung ist eine Fähigkeit, die jeder Mensch erlernen kann, um sich zu einer neuen Perspektive zu verhelfen und somit die Welt in einer neuen Art und Weise zu erleben. Durch meine eigenen Erfahrungen und Forschungen bin ich davon überzeugt, dass Echoortung eine herausragende Möglichkeit für jeden blinden oder sehbehinderten Menschen ist, um sich die Vorteile zu beschaffen, die das Verständnis der eigenen Umgebung und die Aneignung von Unabhängigkeit und Selbstvertrauen mit sich bringen, welche für das Erleben der Welt in vorher unmöglich gedachten Weisen benötigt werden.

Eine Einführung in die Echoortung

Dieser Gastbeitrag ist eine Einführung in die Konzepte der Echoortung. Es ist weder eine vollständige und allumfassende Anleitung noch ist es dafür empfohlen, Echoortung bis zu einer hohen Kompetenz zu erlernen. Um dies zu tun, ist es immer empfehlenswert, dass Sie sich einen Mentor oder Lehrenden zu suchen, der Sie durch den komplexen Prozess des Erlernens dieser Fähigkeit begleitet. Dennoch, sollten Sie nicht in der Lage oder noch nicht dazu bereit sein, sich der intensiven Eins-zu-Eins-Ausbildung zu verschreiben, so lassen Sie diesen Artikel Ihnen als Werkzeug dabei helfen, ihre Reise zu beginnen und die Macht der Echoortung sowie ihre möglichen Auswirkungen auf Ihre Mobilität zu entdecken, welche Sie zu einem reicheren und erfüllenderen Leben führen werden. 

Dieser Artikel wird Ihnen ein grundlegendes Verständnis von Schall und Echos geben (was sie sind und wie sie funktionieren), davon, wie Echoortung heute benutzt wird und wie sie von jedem, der sie erlernen möchte, eingeübt und verfeinert werden kann. Es wird Ihnen ebenfalls das beibringen, was Sie benötigen werden, um diese einzigartige und tiefgreifende Herausforderung anzunehmen. Es wird Ihnen echte Beispiele von Echoortungstechniken aufzeigen, die Sie vielleicht bereits benutzen, und Ihnen Techniken dafür bereitstellen, Echoortung zu erleben, selbst wenn Sie nicht wissen, wo Sie anfangen sollen oder was Echoortung überhaupt ist. 

Schließlich wird er Sie mit einem Plan von Übungen versorgen, die Sie für sich selbst benutzen können, um mit dem Erlebnis, dem Verständnis und der Verfeinerung dieser Fähigkeit zu beginnen und diese bis zu dem für Sie geeigneten Niveau zu verbessern. Diese Übungen wurden dafür entworfen, Sie Schritt für Schritt von Anfang an mitzunehmen und Ihre Fähigkeiten weit über die der durchschnittlichen Person hinaus zu verbessern. 

Es ist ein Privileg für mich, diesen Artikel zu veröffentlichen und die darin enthaltenen Informationen für die Menschen bereitzustellen, welche sich ein erfüllteres Leben wünschen. Ob Sie vollständig blind, eingeschränkt sehfähig oder perfekt sehfähig sind, das Ziel dieses Artikels besteht darin, 

  • das Bewusstsein für Ihren eigenen Körper und Geist zu erhöhen.
  • das Bewusstsein für Ihre unmittelbare Umgebung zu erhöhen.
  • öffentliche Aufmerksamkeit für Echoortung als ein Werkzeug für sehbehinderte Menschen zu stärken.
  • Ihre Augen für die nicht oder viel zu selten genutzten Fähigkeiten des Menschen zu öffnen.

 

Die Überwindung von Sehverlust mit Hilfe von Echoortung

Millionen Menschen auf der ganzen Welt leben jeden Tag mit Blindheit. Im Juni 2012 schätzte die Weltgesundheitsorganisation, dass 39 Millionen Menschen weltweit blind sind, und dass weitere 246 Millionen eine schwache Sehfähigkeit besitzen. Falls Sie mit Sehverlust zu kämpfen haben oder seit jungen Jahren blind sind, wissen Sie alles über die Hindernisse, die die Unabhängigkeit in Ihrem Alltagsleben schwierig gestalten.

Viele Länder haben das Glück, moderne Technologien und komplexe Verfahren zu besitzen, um diese Widrigkeiten zu meistern, wie bspw. Schulen und Stiftungen für blinde Menschen, Blindenhunde und sogar den simplen, ausklappbaren Blindenstock, der in vielen weniger glücklichen Ländern nicht verfügbar ist. Allerdings schätzt die Weltgesundheitsorganisation, dass 90% aller sehbehinderten Menschen in Entwicklungsländern leben. 

Falls Sie über keine Annehmlichkeiten oder Hilfsstrukturen verfügen, die sie bei der Überwindung dieser Hindernisse unterstützen, fühlen Sie sich vielleicht vereinsamt und vollkommen abhängig von Familienangehörigen, die für Sie Sorge tragen. Ich weiß, dass es hunderttausende blinde Menschen an weniger glücklichen Orten auf der Welt gibt, die niemanden haben, der sich um sie kümmert, und die ein extrem einsames, unerfülltes und auch ungesundes Leben führen. Ob Sie nun mit modernen Annehmlichkeiten und Hilfe bei der Überwindung Ihrer Herausforderungen gesegnet sind oder nicht, Echoortung ist ein Konzept, dass Sie verstehen sollten.

Mit Aufgeschlossenheit und fleißiger Übung kann jeder diese Fähigkeit erlernen und sie als Hilfe dazu benutzen, ein erfüllteres, aktiveres und gesünderes Leben zu führen. 

 

Echoortung lernen

Jeder Mensch, der auch nur irgendetwas lernen möchte, wird stets auf Herausforderungen treffen. Der Lernvorgang benötigt einen Aufwand an Energie, die Sie nie wiederbekommen werden. Jeder Moment im Leben ist nämlich unterschiedlich und einzigartig und uns wird die Gelegenheit zuteil, diese Momente zu benutzen, wie auch immer wir möchten, und wie wir diese Momente nutzen, ist das, was uns einzigartig, mächtig, stark und unabhängig macht. Für jeden Moment Ihres Lebens, den sie damit verbracht haben, emsig eine Fähigkeit zu erlernen, werden Sie etwas sehr viel Wertvolleres für Ihre Zeit und Ihren Aufwand zurückbekommen, nachdem Sie die Herausforderung auf sich genommen haben, häufig sogar sehr viel mehr als das, was Sie überhaupt erst lernen wollten. 

Das Leben als Ganzes ist eine Herausforderung. Es ist ein Aufwand an Energie, um ein Ziel zu erreichen. Kennen Sie Ihre Ziele. Begrüßen Sie die Herausforderung, und machen Sie sich die Reise zu eigen. Vielleicht am wichtigsten, genießen Sie den Lernprozess.

 

Hörübungen als Einstieg

  1. Gegensätzliche Umwelt – falls Sie normalerweise in einer lauten Umwelt leben, genehmigen Sie sich stille Phasen. Ziehen Sie geräuschunterdrückende Kopfhörer oder einfach nur Ohrstöpsel in Betracht, damit Sie es für eine kurze Zeit genießen können, absoluter Stille zu lauschen. Falls Sie dagegen in einer normalerweise ruhigen Umgebung wohnen, peppen Sie diese für eine Weile mit etwas lauter Musik auf.
  2. Geräusche zählen – versuchen Sie, die verschiedenen Geräusche um Sie herum zu zählen, zum Beispiel Ihren Kühlschrank, eine Uhr, Vogelgezwitscher oder redende Nachbarn. Können Sie sich selbst atmen oder draußen den Wind wehen hören?
  3. Störgeräuschfilterung – fangen Sie ein Gespräch mit jemandem in normaler Lautstärke an. Sorgen Sie dafür, dass jemand Anderes ablenkende Störgeräusche wie bspw. laute Musik in das Gespräch mit einbringt, und setzen Sie das Gespräch in der gleichen Lautstärke fort. Lassen Sie diese Person nach einiger Zeit ein weiteres ablenkendes Störgeräusch einbringen und setzen Sie die gleiche Konversation fort.
  4. Ortung einer Quelle – lassen Sie einen Übungspartner sich im Raum umherbewegen und einen kurzen, klaren Laut von sich geben. Sobald Sie das Geräusch hören, zeigen Sie in die Richtung, aus der Sie es gehört zu haben glauben. Lassen Sie Ihren Partner Ihnen mitteilen, ob Sie es richtig gemacht haben, und falls nicht, wie nah Sie an der richtigen Richtung waren. Versuchen Sie auch, zu schätzen, wie weit weg ihr Partner war. Es kann sein, dass hier ein paar Ablenkungsgeräusche nötig sind, während Ihr Partner durch den Raum geht, um die Schritte zu übertönen. 
  5. Kopieren – hören Sie sich eine Radiosendung an, in der gesprochen wird, eine Nachrichtenübertragung, einen Podcast, es muss nichts Bestimmtes sein, bloß etwas, das Sie interessiert. Hören Sie einen Moment lang aufmerksam zu und fangen Sie dann an, alles zu wiederholen, was gesagt wird, Wort für Wort. Halten Sie mit der sprechenden Person mit, doch verändern Sie den zeitlichen Abstand zwischen deren und Ihren Worten. Dies ist sowohl eine gute Übung für die Ohren als auch für das Hirn. 

 

Hörende Meditation

Meditation wird seit Jahrtausenden benutzt, um das Bewusstsein zu vergrößern, und kann vor den Echoortungsübungen dazu benutzt werden, den Geist zu öffnen und für die Schwierigkeiten in der Geräuschkulisse oder für die Klänge um Sie herum zu sensibilisieren. Das Ziel besteht einfach nur darin, allem um Sie herum zu lauschen und es alles gleichzeitig zu verarbeiten. Hören Sie die Geräusche um Sie herum im Wesentlichen so, als wären sie ein einziges Gesamtgeräusch. Im Grunde sind sie das nämlich. 

Die Vibrationen, die jeweils von Gegenständen, Geschehnissen oder Personen stammen, überlagern sich in Ihrem Trommelfell als eine endliche Menge an schwankendem Luftdruck, der dann wiederum von Ihrem Hirn erfasst wird. Ihr Hirn wird viel Arbeit hineinstecken, um dieses eine Geräusch ordnungsgemäß zu zerlegen, basierend darauf, was es über die Schallquellen weiß. Das Gehirn wird die Uhr von den Vögeln, vom Wind, von den redenden Menschen, von Ihrem eigenen Atem etc. trennen. Geben Sie Ihrem Hirn einen Moment lang eine Pause und erleben Sie den unbehandelten Schalldruck, der in Ihre Ohren kommt. 

Begeben Sie sich zuerst an einen gemütlichen Ort und in eine Position, die zu Ihnen passt – sitzend, kniend, liegend etc. Bevor Sie irgendetwas tun, nehmen Sie erst einmal zehn tiefe, entspannte Atemzüge und lassen Sie Ihren Puls zur Ruhe kommen, während Sie sich entspannen und es sich auf Ihrem Platz gemütlich machen. Fangen Sie anschließend an, allem zu lauschen, was Sie hören können. Es ist in Ordnung, sich anfangs nur auf ein Geräusch gleichzeitig zu fokussieren. Tatsächlich sollten Sie sich sogar auf das lauteste Geräusch konzentrieren, das Sie hören können, und dann das zweitlauteste ausfindig machen. Zählen Sie so viele Geräusche, wie Sie nur können, in der Reihenfolge, in der Sie sie wahrnehmen. Sobald Sie das nächstleisere Geräusch gefunden haben, lauschen Sie ihm 20-30 Sekunden lang und suchen Sie dann ein noch leiseres Geräusch oder ein weiter entferntes. Diese Übung wird Ihre Ohren sensibilisieren und Ihr Bewusstsein für die Umwelt erhöhen. 

Nachdem Sie so viele Geräusche wie möglich gefunden haben, versuchen Sie, allen gleichzeitig zuzuhören. Versuchen Sie, nicht zu denken, „das ist die Uhr“ oder „das ist noch ein Auto“. Seien Sie aufmerksam und erlauben Sie allen Geräuschen, zu einer Schallwelle zusammenzulaufen, und hören Sie dieser Schallwelle zu. Sobald Sie alle Geräusche zusammenkommen lassen haben, sollte es eher wie ein Lied klingen, und nicht wie individuelle Einzelgeräusche. Dieses Lied repräsentiert die Kraft des jetzigen Moments. Durch das Anhören dieses Liedes werden Sie die Kraft wahrnehmen, die in jedem Moment Ihres gesamten Tages steckt. Jeder Moment ist auf seine eigene Weise mächtig und es liegt an Ihnen, dies zu realisieren und das absolut Beste daraus zu machen. Verbringen Sie nicht mehr als fünf bis zehn Minuten mit dieser Übung, denn man kann leicht seine Konzentration verlieren, wenn man längere Meditationen nicht gewohnt ist. 

Abgesehen davon, dass sie Ihnen dabei hilft, Ihre Ohren zu verbessern und zu sensibilisieren, kann die hörende Meditation sich auch dadurch lohnen, dass sie Ihnen ein Gefühl von Entspannung, Konzentration und Zuversicht gibt. Sich selbst und seiner Umgebung gegenüber aufmerksam zu sein, kann Bindungen an physische Dinge und Emotionen entfernen, die mit Menschen und Sachen verbunden sind, die Sie umgeben. Lassen Sie alles an Hass, Missgunst, Frustration, Verlangen, Schmerz und Leid heraus und besinnen Sie sich auf die Schönheit des jetzigen Moments und auf das Lied, welches diesen beschreibt. 

 

Das Gehör mit Musik sensibilisieren

Falls Sie generell viel Musik hören, ist dies ein guter Weg, um die Sensibilisierung zu beginnen; allerdings sollten Sie anfangen, bedachter zuzuhören. Versuchen Sie, in einem bestimmten Lied jedes einzelne Element herauszuhören. Fangen Sie damit an, Feinheiten aufzuschnappen wie z.B.:

  1. Aus welchem Lautsprecher kommt der Klang welchen Instruments? Oder kommt er aus beiden? Dies wird als Panning (zu Deutsch etwa: Schwenken) bezeichnet, und häufig wird in Liedern die eine Gitarre mehr zum linken Lautsprecher hin und die andere Gitarre eher zum rechten Lautsprecher hin geschwenkt. Dies hat den Zweck, dass die Gitarren so wirken, als wären sie an zwei unterschiedlichen Orten auf einer Bühne. Haben Sie diesen Effekt einmal aufgegriffen, so sollten Sie in der Lage sein, direkt anzuzeigen, wo jeder einzelne Instrumentklang herzukommen scheint, was je nach Panning in die eine oder andere Richtung irgendwo zwischen den Lautsprechern sein sollte. 
  2. Stellen Sie fest, wie weit entfernt jedes Instrument (Sänger/in mit eingeschlossen) zu sein scheint. Dies wird von den produzierenden Firmen im Grunde dadurch erreicht, dass sie den Signalen weniger oder mehr Echo- oder Nachklangzeit geben. Wenn einem Instrument ein längerer Nachklang hinzugefügt wird, so wird es den Eindruck erwecken, in einem großen Raum und unter Umständen weit weg zu sein. Wird ein kurzer Nachklang hinzugefügt, so wird es die Wirkung von nahen Wänden, kürzerer Entfernung und mehr Vertraulichkeit haben. Im Allgemeinen wird den Gesangsspuren eine höhere Verzögerung hinzugefügt, damit die singende Person dem Zuhörer näher und ausgeprägter vorkommt.

Es handelt sich hierbei um eine simple und sehr angenehme Methode der Feinheitensensibilisierung Ihrer Ohren. Nun können Sie sich nach einem langen Tag entspannen und sich Ihre Lieblingslieder in dem Wissen anhören, dass Sie gleichzeitig eine bessere, vollkommenere Person werden. 

 

Übung zum Echoortungsbewusstsein

Eine weitere einfach Übung dafür, leicht die Wirkung der Echoortung zu bemerken, besteht darin, einfach aus Ihrem Haus heraus nach draußen zu gehen. Lauschen Sie nach Geräuschen um Sie herum, während Sie noch drinnen und in relativ ruhiger Umgebung sind, denn es gibt fast immer hörbare Umgebungsgeräusche. Gehen Sie ein paar Schritte durch Ihre Haustür und achten Sie darauf, wie die Geräusche sich verändern, nicht nur die tatsächlichen Geräuschquellen (zweifellos werden Sie an dieser Stelle verschiedene Geräusche wie die von Autos oder Vögeln anstelle derer des Kühlschranks oder der Uhr hören), sondern auch die Eigenschaften der Geräusche, wie z.B. die Lautstärke, die Tonhöhe, die Richtung, das Echo etc. 

Normalerweise kommen alle Geräusche aus mehreren Richtungen, wenn man sich innerhalb eines Gebäudes befindet. Am lautesten werden sie aus der eigentlichen Richtung der Quelle kommen, aber sie werden auch von allen Wänden und Gegenständen im Raum widerhallen. Musizierende Menschen geben sich sehr viel Mühe, um bei einer Aufnahme solche Schallreflektionen zu verhindern, oder wenigstens zu minimieren. Man nennt dies einen Hall und dieser kann dafür sorgen, dass Klänge sich vollkommen anders anhören. 

Jeder Raum mit einer bestimmten Größe und Form hat eine eigene und einmalige akustische Charakteristik. Die Größe des Raums legt dabei fest, welche Frequenzen die auffälligsten sind, denn die Entfernung zwischen zwei parallelen Wänden sorgt für etwas, das stehende Welle genannt wird, wobei es sich um eine Schallwelle handelt, deren Wellenlänge genau in diese Entfernung passt. Diese stehenden Wellen werden so wirken, als seien sie verstärkt. Zusätzlich hat jeder Raum aufgrund der Entfernungen und der Winkel zwischen all den Wänden und Gegenständen seinen eigenen, einzigartigen Hall.

Der Hall ist ein Effekt, den wir alle schon einmal erlebt haben, und doch kann die Realisierung davon sehr tiefgründig sein, dass dieser simple Effekt tatsächlich die Wahrnehmung der Echoortung ist, die trainiert und verbessert werden kann, um Dinge in immer höherer Genauigkeit zu sehen. 

 

Etwas sehen vs. nichts sehen

Viele der Wahrnehmungsübungen und Methoden, Echoortung zu erleben, die zuvor diskutiert wurden, werden Sie bereits auf den Weg dahin gebracht haben, etwas durch Echoortung zu sehen. Der nächste Schritt ist die Identifikation des gehörten Geräuschs mit einem bestimmten Gegenstand. Am besten ist es, mit einem harten und ebenen Objekt zu beginnen, wie bspw. einem Buch oder einem Stück Pappe oder Holz. Diese Übung wird in großer Nähe zu Ihnen stattfinden, daher sollten Sie nichts Größeres benötigen als 25cm x 25cm für den Anfang. Ein normalgroßes Lehrbuch würde hier gut funktionieren.

  1. Am besten begeben Sie sich nach draußen, weit weg von großen Objekten. Falls das nicht möglich sein sollte, dann gehen Sie in ein Zimmer mit Teppich und einer Menge an weichen Möbeln und Fensterdekorationen wie Vorhängen und Gardinen. Dies stellt ein sehr totes Zimmer dar, wenn es um Hall geht, und es wird die Differenzierung zwischen kleinen Feinheiten leichter machen. 
  2. Erzeugen Sie zunächst nur Ihr Signalgeräusch. Lauschen Sie und gewöhnen Sie sich daran, wie auch an Ihre Umwelt. Dies ist so ähnlich wie eine Kalibrierung.
  3. Bewegen Sie den Gegenstand vor Ihr Gesicht und erzeugen Sie weiterhin Ihr Signal.
  4. Falls Sie Probleme damit haben, den Unterschied zu hören, versuchen Sie das „Schh“-Signal, denn dies wird oft von Kindern genutzt und liefert eine gute Antwort für Anfänger. 
  5. Falls Sie nach wie vor Probleme haben, bringen Sie den Gegenstand nah an Ihr Gesicht, wenn er da ist, und entfernen Sie ihn vollständig, wenn er nicht da sein soll. Würden Sie ihn nur ein bisschen bewegen, so wäre der Unterschied nicht so offensichtlich wie dann, wenn Sie ihn komplett entfernen. 
  6. Falls Sie gar keine Anwesenheit des Gegenstands feststellen können, versuchen Sie, ihn schnell in ihr Sichtfeld und dann wieder aus Ihrem Sichtfeld zu bewegen, während Sie das „Schh“-Signal von sich geben. Bewegen Sie ihn einfach vor Ihr Gesicht und wieder zur Seite weg. Tun Sie dies schnell genug, so wird es eine schnelle Klangänderung kreieren, welche leichter aufzuspüren ist. 
  7. Was Sie erleben – was immer Sie erleben – ist Echoortung. Sie kann nicht in einem Buch erklärt werden und, wie vorher bereits besprochen, wird sie von jedem, der sie erlebt, auf unterschiedliche Art und Weise beschrieben. Wissenschaftlich gesprochen wurden Frequenz, das Spektralmuster und der Nachhall durch die Präsenz dieses Gegenstands verändert. Machen Sie sich mit diesem Phänomen vertraut und geben Sie ihm Ihre eigene spezielle Definition und Beschreibung. 

Der nächste Schritt dieser Übung besteht darin, dass eine andere Person den Gegenstand vor Sie hält oder entfernt, und dass Sie dieser Person sagen, wann er da ist und wann er entfernt wurde.

 

Quellen

Echoortungs-Programm

World Access for the Blind

BMobile Project von Visibility im Vereinigten Köngreich

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Gute Artikel über Echoortung

Getting Around by Sound: Human Echolocation

Behind the Curtain: Echolocation Woodstock

Visibility UK – Visual Impairment Training

Brian Bushway – Leading the Blind

The Psychologist News – Echolocation

Learn Echolocation Blog (Blog des Autors)

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Whitepaper über Echoortung

Echolocating Distance by Moving and Stationary Listeners Lawrence 

D. Rosenblum, Michael S. Gordon, und Luis Jarquin 

University of California, Riverside

Echolocation – What it is, How it Can Be Learned and Taught 

Daniel Kish, M.A. und Hannah Bleier, M.A.

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Echolocation – How Can We Best Teach It? 

Jim Blackshear 

Stephen F. Austin State University

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Directional Perception in the Human Auditory System 

Susan J. Shaw 

Journal of Undergraduate Sciences, Northwestern University

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How Well Do We Know Our Own Conscious Experience? The Case of Human Echolocation 

Eric Schwitzgebel, Michael S. Gordon 

University of California

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Blindness and Brain Plasticity: Contribution of Mental Imagery? 

S. Lambert, E. Sampaio, Y. Mauss, C. Scheiber

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Visual Imagery Without Visual Perception? 

Helder Bertolo 

Faculade de Medicina de Lisboa (Portugal)

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Visual Cortex Activity in Early and Late Blind People 

H. Burton 

Department of Anatomy and Neurobiology, Washington University School of Medicine, St. Louis, Missouri 

The Journal of Neuroscience, May 15, 2003

 

Vielen Dank an den Autor Tim Johnson für diesen Gastartikel.

 

 

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