Tipps für Angehörige und Pädagogen blinder Kinder

Eltern, Angehörige, Erzieher und Lehrer blinder Kinder sehen sich im Alltag mit einer ganz anderen Situation konfrontiert als das bei sehenden Kindern der Fall ist. Vor allem für Erwachsene, die sehen können ist es oft nicht sehr einfach nachzuvollziehen, wie bilde Kinder ihre Umwelt genau wahrnehmen und wie sie neue Dinge kennenlernen können. Wir haben deshalb eine Reihe an Tipps für Angehörige und Pädagogen blinder Kinder zusammengestellt. Diese wurden von Eltern mit einem reichen Erfahrungsschatz mit entwickelt und können so den Alltag deutlich erleichtern und Unsicherheiten nehmen. Beachte dabei, dass jedes Kind anders reagiert und andere Bedürfnisse und Grenzen haben kann. Deshalb solltest Du als Elternteil, Erzieher oder Lehrer blinder Kinder stets individuell auf das Kind eingehen und die von uns erklärten Tipps nicht zwingend in genau der Reihenfolge oder Geschwindigkeit realisieren. Letztendlich wirst Du merken, dass Du ganz intuitiv spürst, wann ein blindes Kind soweit ist einen neuen Schritt zu wagen und wann Du lieber noch ein bisschen warten solltest.

Von Anfang an und für immer

Mimik und Gestik bei blinden Kindern

Blinde Kinder können sich nicht selbst im Spiegel betrachten und nicht sehen, wie sich das eigene Gesicht verändern und ausdrücken kann. Auch die Beobachtung der Mimik einer anderen Person fällt für blinde Kinder weg. Deshalb solltest Du blinden Kindern immer wieder Feedback zu ihrer Mimik geben. So lernen blinde Kinder zu erfühlen, wie sich ein bestimmter Gesichtsausdruck anfühlt und versteht durch Erklärungen eines Erwachsenen wie diese Mimik bei anderen ankommt. Nur durch eine solche Rückmeldung und Beschreibung lernen blinde Kinder auch die Mimik selbst zu beeinflussen.
Das gleiche gilt für die Gestik: Blinde Kinder sollten von Beginn an lernen sich in Gesprächen dem jeweiligen Gesprächspartner zuzuwenden. Dabei können zum Beispiel Theater- oder Tanzgruppen helfen.

Noch viel mehr Bewegung

Für blinde Kinder ist es wichtig sich viel zu bewegen, das gilt auch für blinde Kinder. Dabei sollten sie stets einen Langstock dabeihaben. Bewegung ist wichtig um eine richtige, gesunde und gerade Körperhaltung zu erlernen. Insbesondere Sport kann diesen Lernprozess unterstützen. Biete blinden Kindern also an in Gymnastikgruppen zu gehen, geführt zu rennen oder andere Sportarten auszuführen. Blind Geborenen und auch so entwickeln blinde Menschen manchmal einen Rundrücken oder einen gebückten Gang. Manche Menschen entwickeln Ticks, wie unruhiges Wippen. Das alles ist ein Zeichen von Bewegungsmangel und fehlenden Feedback. Zu den Tipps für Eltern und Pädagogen blinder Kinder, die gesundheitliche Aspekte betreffen gehört der folgende. Blinde Kinder neigen häufig zum Augenbohren oder Augendrücken. Das kann zu Entzündungen, Verformungen und dadurch zu tiefen Augenhöhlen führen. Deshalb sollte es freundlich unterbrochen werden, sodass es nicht zur Gewohnheit wird. Dazu kannst Du einfach die Hände wegnehmen und das Kind dann ablenken. Sei dabei nicht zu streng mit dem Kind.

Ohne Tastsinn wirst du sterben

Neben dem was blinde Kinder hören, nehmen sie auch sehr viel über Berührung auf. Deshalb gehört zu unseren Tipps für Eltern und Pädagogen blinder Kinder auch, dass Du einem blinden Kind so früh wie möglich verschiedene Gegenstände zum anfassen geben solltest. So kann sich das Kind ein Bild von der Form, der Größe und später auch von der Funktionalität machen. Hilfreiche Erklärungen ergänzen das Bild von einem Gegenstand. Bei den Berührungen sollte auch nicht vor Essen oder anderen dreckigen Gegenständen halt gemacht werden, denn das Kind hat ein Recht darauf alles selbst erfassen zu können. Was sehende Menschen mit ihren Augen machen, machen Blinde eben mit den Händen. Abwaschen kann man den Dreck immer noch. Wichtig bei den Berührungen ist, dass Du das Kind nicht bevormundest und seine Hand führst. Vielmehr sollte das blinde Kind selbst auf Entdeckungsreise gehen. Wichtig ist auch, dass das Kind das Gehörte und das Gefühlte miteinander verbinden kann.

Reisen mit Blinden

Für alle Blinden gibt es in Deutschland fast immer die Möglichkeit bei Bahnreisen eine Begleitperson kostenlos mitnehmen zu können. Dafür sorgt der Vermerk B im Schwerbehindertenausweis. Bis zum sechsten Lebensjahr können blinde Kinder inklusive Begleitperson gratis Zugfahren. Ab dem sechsten Geburtstag brauchen blinde Kinder ein Kinderticket. Dieses ist stark ermäßigt und berechtigt ebenfalls zur kostenlosen Mitnahme einer Begleitperson. Wenn ein blindes Kind mit zwei Erwachsenen reist, kann es bis zum 15. Geburtstag gratis mitfahren. Dies muss auf dem Ticket vermerkt werden. Bei Reisen zu dritt muss also nur ein Erwachsener bezahlen, das blinde Kind und der andere Erwachsene (Begleitperson) fahren gratis. Bis 18 kann man außerdem eine Jugend Bahn Card 25 für nur 10€ Bearbeitungsgebühr erhalten. Ebenso ist das Fliegen mit der Lufthansa inklusive Begleitperson kostenlos. Gezahlt werden muss innerhalb Deutschlands lediglich die Flughafengebühren.

Räume entdecken mit Blinden

Wenn Du mit einem blinden Kind in einen neuen Raum eintrittst, solltest du mit der Zunge klicken und den Raum benennen. Diese Vorgehensweise sollte für Dich zur Routine werden.

Alternativen finden für Fotos und Videos

Sehende Menschen holen sich Erinnerungen durch Fotos und Videos zurück. Für blinde Kinder solltest Du stattdessen Tonaufnahmen machen, am besten immer dann, wenn Du auch die Fotokamera zücken würdest.

Gib blinden Kindern die Chance sich selbst Grenzen (No Limits) setzen zu können, das gibt Mut und Selbstbewusstsein.


 

Frühestens ab dem 2. Lebensjahr

Dein Leben. Dein Kind. Deine Verantwortung.

Als Elternteil bist Du in erster Linie dafür verantwortlich, dass Dein Kind sich altersgerecht entwickelt. Diese Aufgabe kann Dir nicht von Erziehern, Lehrern oder anderen Personen abgenommen werden. Ein guter Vergleich ist immer sich ein sehendes Kind im gleichen Alter und mit gleichen Voraussetzungen zu betrachten und sich zu fragen, ob das eigene Kind auf einem ähnlichen Entwicklungsstand (Freunde, Sport, Bildung, Lesen, Schreiben etc.) ist. Sei dabei ruhig anspruchsvoll, aber überfordere Dein Kind nicht.

Braille-Schrift

Die Braille-Schrift sollte für das Kind so früh wie möglich zur Normalität werden. Zimmertüren, Bücher oder CD-Hüllen können schon früh damit beschriftet sein. Zeige Deinem Kind die Schrift während du ihm vorliest oder Dinge erklärst, dadurch entwickeln die Kinder ein Verständnis dafür, wofür Schrift da ist. Beschriften kannst du die Gegenstände entweder mit Dymobändern und speziellen Beschriftungsgeräten oder einer Braille Schreibmaschine. Wichtig dabei ist, dass die Schrift nicht zu groß ist, das ist zwar für Sehende leichter, für Blinde, die die Punkte nur mit den Fingerkuppen erfühlen, hingegen nicht. In der Deutschen Zentralbücherei für Blinde zu Leipzig kannst du übrigens kostenlos Mitglied werden und dir kostenlos Bücher ausleihen und zuschicken lassen. Du selber musst übrigens Braille-Schrift nicht mit den Händen lesen können (Erfahrene sagen, dass das als Sehender unmöglich sei.), sondern kannst es wunderbar mit dem Auge lesen lernen.

Selbständiges Laufen fördert das Selbstbewusstsein

Ein blindes Kind sollte früh lernen nicht nur an der Hand zu laufen, denn dann wird es nicht selbstständig. Wenn sich also eine Gelegenheit bietet das Kind alleine und mit Langstock loszuschicken, trau Dich. Der Langstock sollte der Körpergröße des Kindes +/- 5cm entsprechen und wird von den Krankenkassen übernommen. Der Stock muss dem Kind immer Spaß machen, in jungen Jahren kann ein leichtes Stocktier beispielsweise die Motivation den Stock zu benutzen verstärken. Sollte es doch einmal nötig sein das Kind an der Hand zu führen, solltest Du darauf achten, dass es sich nicht ziehen lässt und an der Hand hängt, sondern immer selbstständig mit Stock neben Dir herläuft. Wenn Kinder erst im jugendlichen Alter erblinden, ist ein Langstock oft „uncool“. Hier muss das ganze Umfeld mithelfen die Sehhilfe an zu nehmen und zu nutzen.

Außergewöhnliches machen neugierig auf die Welt

Ein weiterer Tipp für Eltern und Pädagogen blinder Kinder kommt jetzt: Blinde Kinder sollen lernen, dass die Welt auch außerhalb des eigenen Hauses spannend und interessant ist und nicht etwa Angst oder Unsicherheiten entwickeln. Deshalb solltest Du darauf achten, dass Du mit Deinem Kind mindestens zweimal im Monat etwas Außergewöhnliches außerhalb von zu Hause machst. Museen, Schwimmbäder, Skifahren, Radfahren, Spielplätze oder Wanderungen sind tolle Gelegenheiten neue Dinge kennenzulernen.

Objekte mit Klicksonar kennenlernen

Wenn Du Dich mit Deinem Kind einem großen Objekt näherst, solltest du ebenfalls mit der Zunge klicke und dann den Gegenstand beschreiben. Bestenfalls darf das Kind dann das Objekt anfassen und darum herumlaufen um sich ein Bild davon zu machen.

Kostenübernahme

Ein häufiger Problempunkt ist, dass die Krankenkassen Kostenübernahmen für bestimmte Hilfsmittel verweigern. Der Grund dafür ist, dass einige eigentlich erstattungsfähige Hilfsmittel für blinde Kinder nicht im Hilfsmittelverzeichnis aufgelistet sind. Das Verzeichnis allein ist also kein Grund ein Hilfsmittel zu verweigern, das hat das Bundessozialgericht in mehreren Fällen bestätigt. Lass dir den Ansprechpartner deiner Krankenkasse für Hilfsmittel geben und stelle dich persönlich vor. Eine gute Beziehung aufbauen und pflegen hilft manchmal schon Wunder. Ansonsten fertige dir „Standard“ Widerspruchbriefe an und speichere sie auf dem Computer. Manchmal reicht es einfach 1- oder 2-mal Widerspruch gegen Bescheide ein zu reichen. Bei vielen hat auch schon geholfen regionale Presse über die Missstände zu informieren. Wichtig dabei ist immer, dass du etwas schriftliches hast.

Erklärungen von Gegenständen

Blinde Kinder benötigen viele Erklärungen zu Gegenständen. Oftmals ist es nicht möglich sehr große Dinge, zum Beispiel ein Flugzeug, in echt anzufassen und alle Details zu erkennen. Deshalb wird im Alltag oft auf Modelle und Spielzeuge zurückgegriffen. Dabei ist es sehr wichtig, dass Du Deinem Kind genau erklärst, dass es sich um Spielzeuge handelt. Benenne deshalb ein Spielauto auch als solches und nicht nur als Auto und eine Löwenpuppe nicht als Löwe. Das ist sehr wichtig, denn blinde Kinder lernen sonst nicht Modelle von der Wirklichkeit zu unterscheiden. Dann fragt es sich, wie ein Mensch in ein so kleines Haus passt und ob alle Flugzeuge im Himmel so klein sind. Auch in Gefahrensituationen („Achtung Auto“) müssen blinde Kinder den Unterschied zwischen einem kleinen, ungefährlichen Spielauto und einem normalgroßen Auto kennen.

Weitere Tipps für Eltern und Pädagogen blinder Kinder sind also: Spielzeuge helfen zwar Details von Gegenständen kennenzulernen und zu ertasten, allerdings heißt das noch lange nicht, dass das blinde Kind auch den realen Gegenstand erkennen würde. Ein gutes Beispiel dafür sind Schleich Tiere. Sie sind in der Regel sehr detailgetreu, können allerdings echte Tiere nicht wirklichkeitsgetreu abbilden. Das Fell, die Größe, die Wärme, der Geruch und die Beweglichkeit eines Tieres kann das Kind nur am echten Tier kennenlernen.

OP’s bei blinden Kindern

Bei blinden Kindern ist es äußerst wichtig, dass eine sogenannte Paukenröhrchen OP vermieden wird. Diese OP birgt nämlich das Risiko einer verminderten Hörleistung und kann blinde Kinder stark einschränken. Deshalb raten HNO Ärzte das Abschwellen der Schleimhäute im Frühjahr abzuwarten, dann behebt sich das Problem meist von selbst.

Spiele mit unterschiedlichen Materialien

Steckspiele sind eine gute Möglichkeit für blinde Kinder Formen und Oberflächen kennenzulernen. Für Blinde erfordern solche Spiele allerdings deutlich mehr Konzentration als für Sehende. Deshalb solltest Du immer geduldig sein und dem Kind viel Zeit lassen das Spiel zu begreifen. Wichtig dabei ist, dass das Kind immer zwei Hände benutzt, nur so kann das räumliche Denken funktionieren.


Nicht vor dem 2. Geburtstag

Mimik und Gestik blinden Kindern erklären

Erkläre einem blinden Kind immer wieder die Gestik und Mimik anderer Leute, deren Bedeutung und Wirkung. Dann soll das Kind versuchen es nachzuahmen. Da Blinde nicht durch abschauen lernen können, solltest Du es immer wieder bestätigen, wenn es sich nonverbal richtig ausdrückt. Wenn eine neue Mimik oder Gestik erlernt werden soll, hilft es abzuwarten, bis sich dieser Ausdruck zufällig ergibt und das Kind dann darauf hinzuweisen wie es gerade schaut oder sich bewegt. Blinde Kinder ab dem 3. Lebensjahr sollten außerdem auch einen korrekten, gesunden und geraden Gang und das Zuwenden zum Gesprächspartner mit Körper und Gesicht lernen.

Alleine Anziehen erleichtern

Um das Anziehen zu erleichtern, solltest Du die linke Seite der Kleidungsstücke und Schuhe markieren. Ein kleiner Knopf oder eine Schleife helfen dem Kind dabei sich richtig anzuziehen.

Spielsachen regelmäßig austauschen

Da nicht sehende Kinder nicht optisch sehen, welche Spielzeuge es zur Verfügung hat, kann es sein, dass sie manche Dinge vergessen. Wenn ein blindes Kind immer wieder nur mit ein und demselben Spielzeug spielen möchte, solltest du auch die anderen Spielmöglichkeiten ansprechen und ihm noch einmal alles zeigen.

Alternative zu Blindenbüchern

Storyboxes oder Erzählkisten sind für blinde Kinder das Pendant zu Bilderbüchern. In den Erzählkisten finden sie fühlbare Geschichten, alle Dinge, die in einem Buch vorkommen, kann man in eine Kiste zusammenlegen. Während des Vorlesens können die Kinder sich die erwähnten Gegenstände aus der Box heraussuchen und so spielerisch den Tastsinn schulen. Damit es nicht langweilig wird, kannst du die Kiste für jedes Buch individuell bestücken.

Regelmäßiger Sport

Ein sehr beliebter Sport für Blinde ist das Klettern. Warum? Es ist haptisch, hat etwas mit anfassen und erfühlen zu tun. Scheue Dich also nicht davor hin und wieder mal einen Kletterpark oder eine Kletterhalle zu besuchen. Unter Aufsicht können auch einfach die Bäume im eigenen Garten zum Herumklettern genutzt werden.
Dreirad- und Laufradfahren ist für Blinde eine gute Möglichkeit auch mal das zu tun, was die anderen, sehenden Kinder machen. Wird ein blindes Kind ständig ausgeschlossen oder darf es viele Sachen nicht tun, weil es blind ist, fühlt es sich behindert und einsam. Ein blindes Kind braucht die Möglichkeit die eigenen Grenzen selbst auszutesten. Am besten funktioniert das Laufrad- und Dreiradfahren, wenn ein Erwachsener oder ein älteres Kind vorausläuft und akustische Signale gibt.
Ohne, dass die Kinder es ertasten können, haben sie keine Vorstellung von den Handgriffen und Vorgängen um sich herum. Deshalb solltest Du ein blindes Kind immer mitmachen lasen und es aktiv mit einbeziehen. Erklärungen zusätzlich zum Ertasten fördern das Verständnis zu dem Gegenstand und seiner Funktion.


Nicht vor dem 3. Geburtstag

Richtige Vorstellung von Räumen

Zu den wichtigsten Tipps für Eltern und Pädagogen blinder Kinder gehört auch: Blinde haben oft keine richtige Vorstellung von Räumlichkeit, das gilt ganz besonders für kleine Kinder. Deshalb gibt es nun die nächsten Tipps für Eltern und Pädagogen blinder Kinder: Um das Verständnis zu fördern, kannst Du einfach einen Plan von eurer Wohnung machen. Mit hervorgehobenen Wänden und wichtigen Erkennungspunkten in den Räumen (zum Beispiel Sofa, Fernseher, Toilette, Tisch etc.), kann das Kind sich selbst durch die Wohnung bewegen und mithilfe des Plans die Räumlichkeit verstehen lernen.

Würfelspiele für blinde Kinder

Ab 3 Jahren können Kinder auch schon an Würfelspiele herangeführt werden. Mithilfe von fühlbaren Würfeln ist dies kein Problem. Ein Beispiel für ein solches Spiel ist: Wer die höhere Zahl erwürfelt, der darf eine bestimmte vorher abgestimmte Aktion ausführen.

Kontakt zu anderen Kindern

Der Kontakt zu anderen, sehenden Kindern ist für blinde Kinder oft nicht so einfach. Um dem Kind die Erfahrung von Ausgrenzung und gegebenenfalls sogar Hänseleien möglichst lange zu ersparen, bieten sich kleine, speziell organisierte Gruppen an in denen sich nur wenige Kinder treffen. So können Blinde lernen mit anderen zu lernen und zu spielen. Auch sehende Kinder müssen erst Lernen sich auf Blinde einzustellen. Deshalb müssen die Erwachsenen besonders darauf achten, dass die Kinder die Bedürfnisse der anderen verstehen und mehr miteinander agieren und voneinander lernen.

Fremdsprache bei blinden Kindern

Spätestens in der Schule lernen Kinder eine Fremdsprache. Je früher dies geschieht, desto besser können die Kinder die neue Sprache erfassen und lernen. Für blinde Kinder ist es allerdings schwer eine fremde Sprache ohne entsprechende Gestik, Mimik oder Bilder und Filme zu verstehen. Die Fremdsprache bleibt deshalb oft abstrakt und unverständlich. Hier ist es sehr wichtig, dass das Kind stets unterstützt wird, viele Erklärungen bekommt und das neue Inhalte immer wieder mit Bekanntem verknüpft werden.


Nicht vor dem 4. Geburtstag

Gesellschaftsspiele spielen

Kinder spielen gerne und insbesondere mit Gesellschaftsspielen können Kompetenzen auf verschiedenen Ebenen entwickelt werden. Das Denken wird gefördert, ebenso wie das Miteinander und trotzdem steht alles unter der Prämisse Spaß zu haben. Beliebte Spiele sind: Obstgarten, Mikado, Lotti Karotti, Max Mäuseschreck, Shut the Box usw.
Spielen und Lernen, das steht bei dem Baukasten „Wheatley Tactile Diagramming Kit“ auf dem Programm. Das Spiel funktioniert mit einem Klettbrett, auf das verschiedene Klettformen aufgeklettet werden können. Dabei können die Kinder spielerisch neue Gegenstände kennenlernen und auch nach Belieben weitere Dinge hinzufügen. Auch für den oben beschriebenen Punkt des Erlernens des räumlichen Denkens anhand der eigenen Wohnung ist das Spiel geeignet.

Punktschrift wird jetzt wichtiger

Ab dem vierten Geburtstag sollte die Punktschrift immer mehr in den Alltag des Kindes mit eingebaut werden. Wie bei gleichaltrigen Kindern, die sehen können, steht nicht das lesen und schreiben lernen im Vordergrund, sondern einfach die Selbstverständlichkeit von Schriftzeichen.

Filmabend

Wenn Du mit Deinem Kind mal einen schönen Filmeabend machen willst, kannst Du auf Filme mit Audiodeskription (Bildbeschreibung) zurückgreifen. Dafür brauchst Du nur einen digitalen Receiver für Satelliten- oder Kabelempfang. Außerdem gibt es auch spezielle Hörfilme.
Hörfilme oder DVDs zum Raten von Geräuschen sind sehr beliebt. Du kannst mit Deinem Kind zusammen erraten welche Geräusche zu hören sind. Auch im Alltag funktioniert das, zum Beispiel bei einem Spaziergang im Park. Mithilfe der App GRETA wird Filme anschauen zu einem großartigen Erlebnis.

Rechtsschutzversicherung
Zu den wichtigsten Tipps für Eltern und Pädagogen blinder Kinder gehört folgender: Vor der Anmeldung in einer Schule, solltest du eine Rechtsschutzversicherung abschließen. Auch ein Anwalt mit großem Erfahrungsschatz im Behindertenrecht kann nicht schaden. Leider ist es immer noch so, dass Du den Anwalt für viele Dinge brauchen wirst, um die Rechte Deines behinderten Kindes durchzusetzen, beispielweise beim Thema Hilfsmittel oder Beschulung.
Schulfragen stehen ab dem 4. Geburtstag sowieso auf der Tagesordnung. Eine geeignete Schule für blinde Kinder zu finden, ist manchmal nicht so einfach. Die Schulform und das -system sind oftmals nicht der entscheidende Punkt, vielmehr die Menschen, die unterrichten. Deshalb solltest Du Dich auch mit privaten Schulen, wie zum Beispiel evangelischen, katholischen, bilingualen, Montessori und Walldorf Schulen auseinandersetzen. In vielen Erfahrungsberichten, die die Grundlage für unsere Tipps für Eltern und Pädagogen blinder Kinder sind, haben wir gelesen, dass private Trägerschulen oft bessere Bedingungen für Blinde bieten als staatliche Schulen mit großen Klassenstärken.
Für blinde Kinder sind die folgenden Bedingungen am günstigsten: niedrige Klassenstärken, mehrere Lehrer im Unterricht und individuelle Erklärungen. Außerdem müssen die Lehrer bereit sein sich auf einen blinden Schüler einzulassen und dessen Bedürfnisse zu erfüllen. Es gibt natürlich auch spezielle Schulen für Blinde, die oft gute Bedingungen bieten. In diesen Schulen besteht allerdings das Problem, dass die blinden Kinder komplett von der sehenden Außenwelt abgetrennt sind.

Neues ausprobieren und Grenzen erweitern

Für Blinde ist es wichtig viel Neues auszuprobieren und es ertasten zu können. Backen und Kochen sollten deshalb immer wieder auf der Tagesordnung des Kindes stehen, denn neben der Beschaffenheit der Lebensmittel lernt das Kind auch, wie man mit den Produkten umgeht, sie richtig einschüttet, knetet etc. Das Abschätzen von Massen und Mengen ist ebenfalls eine wichtige Fähigkeit. Dafür gibt es spezielle Waagen, die es Blinden erleichtern die Mengen zu erkennen. Auch der Umgang mit Messern, Löffeln, Zangen und Kellen wird hier erlernt.


Nicht vor dem 5. Geburtstag

Barrierefreie Kommunikation

Appleprodukte sind wichtige Hilfsmittel für blinde Kinder, sind aber bislang noch nicht in den Hilfsmittelverzeichnissen der Krankenkassen aufgeführt. Barrierefreie Kommunikation bietet auch der Screenreader Jaws von Windows, der wiederum von den Kassen bezahlt wird.

Jetzt kommen Forderungen

Zwischen dem 6. Und dem 8. Lebensjahr fangen blinde Kinder spätestens an eigene Forderungen zu stellen. Oftmals wollen blinde Kinder lieber Hörbücher hören anstatt Punktschrift zu lesen. Genau wie bei sehenden Kindern ist es hier wichtig, dass das Lesen nicht verlernt oder vernachlässigt wird, denn dadurch wird auch die Rechtschreibung und Sprachkompetenz verbessert. Das beweisen Studien, die Vielnutzern von Hörbüchern deutlich schlechtere Kompetenzen und schlechtere Berufschancen zuschreiben. Viel Lesen fördert außerdem die Schnelligkeit. Blinde Kinder, aber auch Erwachsene lesen im Schnitt bis zu 30% langsamer als ihre sehenden Mitmenschen. Durch häufiges Üben kann dieser Unterschied verringert werden.

Eltern-Kind-Tandem

Zu unseren Tipps für Eltern und Pädagogen blinder Kinder zählt außerdem folgender: Eltern-Kind-Tandems. Diese Tandems bestehen aus einem Kinderrad vorne und einem normalen Erwachsenenrad hinten. So können auch blinde Kinder die Erfahrung machen wie es sich anfühlt beim Radfahren den Wind im Gesicht und am Körper zu spüren. Und außerdem hat das Kind so gleich eine sportliche Betätigung. Gebrauchte Eltern Kind Tandems gibt es schon ab etwa 350 Euro in den Kleinanzeigen. Diese sind für blinde Kinder ab etwa 1,10 Meter Größe geeignet. Auf Antrag kann es sogar sein, dass Du das Tandem sogar von der Krankenkasse bezahlt bekommst, als sogenanntes Therapie Rad.

Quellen: https://www.anderes-sehen.de/weitere-info/erziehungstipps-fur-eltern-und-padagogen-blinder-kinder/ (letzter Aufruf 12.01.2019)

1 € SPENDE = 1 € FÜR BLINDE KINDER

270€ von 100.000€ gespendet
Persönliche Informationen

Spendensumme: 50,00€

1 Kommentar

Kommentiere den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here