Wenn blinde Kinder lesen und schreiben lernen

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Wenn blinde Kinder lesen und schreiben lernen

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Blinde Kinder haben Hände, die lesen können

Wenn blinde Kinder lesen und schreiben lernen, ist das ein aufregender Beginn voller Freude für die kleinen Schüler. Im Wesentlichen unterscheidet es sich nicht viel: die Kinder sind wissbegierig, interessiert und meist voller Tatendrang. Das Lernen wird lediglich den besonderen Bedürfnissen angepasst. Was das Lernen der Schrift mit blinden Kindern genau bedeutet, wann man damit beginnt und wie es gestaltet werden kann, erfährst du im Folgenden. Auch der Frage, warum das Lesen und Schreiben schon in so jungen Jahren natürlich auch für blinde Menschen so bedeutend ist, gehen wir nach.Eine formale Unterweisung im Lesen und Schreiben sollte im Idealfall immer erst nach der spielerischen ersten Auseinandersetzung mit Büchern und sprachlichen Konzepten erfolgen: Das heißt mit anderen Worten: Blinde Kinder profitieren davon, schon lange vor einer didaktisch bedachten und methodisch verfeinerten schulischen Lehre – in Form von Unterricht und mit einem Lehrer und gegebenenfalls noch einem Betreuer – in regen, natürlichen und freudigen Kontakt mit Sprachkonzepten und Braille-Büchern zu kommen. Sei dies in einer Einrichtung für Kinder, beispielsweise dem Kindergarten, oder einer vertrauten Umgebung wie dem familiären Umfeld. Dem Alter angemessene Sprachkonzepte sind zum Beispiel kurze Gedichte und Kinderlieder. Selbstverständlich sind dies dieselben Geschichten, Märchen und Lieder, die auch sehenden Gleichaltrigen beigebracht wird. Die unmittelbare Lebenswelt des Kindes steht immer im Zentrum; dementsprechend helfen auch blinden Kindern lebensnahe, kindgerechte und sinnvolle Themen beim Lernen und machen ihnen mehr Freude beim Zuhören und Lesen. Auch eigens erfundene Geschichten und erste Briefe und Notizen können mit einem Brailleschriftgerät für die blinden Kinder verfasst werden.

Brailleschrift auch draußen entdecken

Für das Kind ist es am schönsten, wenn es auch außerhalb der Einrichtungen und dem Zuhause draußen an öffentlichen Plätzen Brailleschrift entdeckt. Gehe mit dem Kind an Bahnhöfe oder Flughäfen oder nutze eine passende Gelegenheit, wenn ihr euch an solch einem Ort zufälligerweise sowieso befindet, und zeige ihm die Brailleschrift auf den Automaten und Wegweisern. Zeitnah kann am Abend oder am Tag davor eine Geschichte über Züge oder Flugzeuge vorgelesen werden und du kannst auf einem Spielzeugmodell eine Braillebeschriftung ankleben, dass das Kind finden kann. Blinde Kinder freut es ebenso, wenn sie herausfinden, das alle gesprochenenen Worte auch verschriftlich werden können.

Die Annäherung an Sprache, Literatur und Kommunikationsmöglichkeiten erfolgt auch schlicht und einfach über das Vorlesen und Erzählen, indem man den Finger des Kleinkindes über die Brailleschrift mitführt. Wenn der zukünftige Schüler sogar die Chance hatte, vorab Bücher in Brailleschrift kennenzulernen, wird es die intrinsische Motivation zum Lernen zusätzlich steigern. Gleichzeitig wird durch die Vorerfahrung der Einstieg in den regulären Unterricht in der Schule massiv erleichtert; für den Schüler selbst und gleichermaßen für die Lehrenden.

Individuellen Entwicklungsstand beachten

Wann ein Kind damit beginnen kann, lesen und schreiben zu lernen, hängt auch hier wie bei allen Kindern von seinem individuellen Entwicklungsstand ab: Ist die Sprachentwicklung adäquat, hat es Interesse an Büchern und ein klares Verständnis über grundlegende Dinge? Taktile Bücher zum Ertasten einzelner Wörter und das Beschriften der Möbel und des Spielzeugs des Kindes leiten den kleinen Mensch schon früh an, die Bedeutung der Schrift zu erfahren und zu verstehen. Feinmotorik und taktile Fähigkeiten spielen eine enorm große Rolle bei blinden Lesern. Anders gesagt: Die blinden Kinder stellen sich anderen spezifische Kompetenzen gegenüber. Wir stellen im Folgenden eine kurze Zusammenfassung dar, wie blinde Kinder lesen und schreiben lernen, jedoch müssen wir immer im Hinterkopf behalten: Der beste pädagogische Ansatz ist immer individueller Natur angepasst an das jeweilige Kind.

Menschen, deren Sehkraft so weit beeinträchtigt, ist, dass sie sehr wenig oder gar nicht sehen können, bedienen sich der Brailleschrift. Dementsprechend nutzen nicht nur Blinde, sondern auch Sehbehinderte diese Blindenschrift. Die nach dem blinden Pädagogen Louis Braille benannte Schrift wurde im Jahre 1879 offizieller Unterrichtsgegenstand an deutschen Blindenschulen und ist die gebräuchlichste und verbreitetste Blindenschrift unter den verschiedenen Systemen der Blindenschriften. Die Brailleschrift ist eine Punkteschrift, die mit Fingerspitzen erfasst werden kann. Die Buchstaben des (deutschen) Alphabets wurden in ein Punkte-Raster übersetzt und müssen sich leicht vom Hintergrund, zum Beispiel einem Papier, erheben, sodass sie von den blinden und sehbehinderten Lesern mithilfe des Tastsinnes ausgemacht werden können.
Interessante Artikel über die Blindenschrift sowie weitere Auskunft über das Leben mit Sehbehinderung und fachlich sachgerechte Informationen findest du auf der Seite des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e.V.

Spielen muss man ernst nehmen. Das wissen Pädagogen. Und Eltern erleben das tagtäglich. Blinde Kinder spielen genau so gerne und fantasievoll wie ihre sehenden Altersgenossen. Wie blinde Kinder das Lesen und Scheiben lernen ist dementsprechend simpel: Der beste Weg erfolgt auch hier auf spielerischem Wege. Tabu hingegen sind alle pädagogischen Arbeitsweisen für sehende Kinder. Für blinde Kinder gibt es hervorragende und viel besser passende Konzepte. Das Lesen- und Schreibenlernen sind zwei voneinander getrennte Lernprozesse für ein blindes Kind.

Dr. Markus Lang, Professor für Sonderpädagogik in Heidelberg, setzt auf Frühförderung. Er hat ein umfangreiches und achtbändiges Mitmachbuch für blinde Kinder herausgebracht. „Auf der Taststraße zur Punktschrift“ vermittelt eine Menge an modernstem Fachwissen und kindgerechten und vielseitigen Aktivitäten für das vorbereitende Lernen der Brailleschrift. Dieses Buch kann entliehen werden oder die Kosten können gegebenenfalls von der Krankenkasse übernommen werden.
Mit einer 6-Punkte Braille-Schreibmaschine mit Prägebandadapter oder einer Braille-Dymo Prägezange ist es möglich, alle fassbaren Gegenstände, die die blinden Kinder greifen dürfen, mit dem entsprechenden Begriff in Brailleschrift zu bekleben. Zum Bekleben nutzt man am besten ein transparentes Dymoband. Die Krankenkassen übernehmen Kosten für blinde Schüler, sobald diese mechanische Maschinen für den Schulunterricht benutzen. Generell sind solche Maschinen für Schulkinder geeigneter als für Kleinkinder und Kinder im Kindergartenalter.

Lesen und Vorlesen

Das Vorlesen kann sehr gut für erste Lehrerfahrungen genutzt werden, indem der linke Zeigefinger des Kindes auf den Zeilenanfang gelegt wird und der rechte Zeigefinger des Kindes, von dem Vorleser unterstützt, mitliest. Ganz natürlich wird das Lesen so in den Alltag der blinden Kinder integriert. Weil es genauso so schön und bedeutsam ist für kleine Kinder den eigenen Namen zu lesen und schreiben zu können, kannst du als Pädagoge oder Familienmitglied den Namen des Kindes auf seine Gegenstände kleben. So kann es sie auch selber wiederfinden. Es ist nicht zu unterschätzen, wie sehr solche Details die Eigenständigkeit und das Selbstbewusstsein der blinden Kinder stärken. Besonders für Leseranfänger ist eine enge Schreibweise zu bevorzugen, sodass das Wort gut erkennbar und schnell zu lesen ist. Sobald das Kind seinen Namen lesen kann, ist es anregend und heiter, weitere Namen von Freunden und Familienmitglieder lesen zu können. Sehr rasch erkennen die blinden Kinder die Namen an Wortlänge und Anfangsbuchstabe und haben erste Lernerfolge, die sie begeistern und anspornen für weitere sprachliche Entdeckungen. Hier wird klar: Von Geburt an blinde Kinder nehmen die Brailleschrift hauptsächlich als Textur und nicht als einzelne Punkte wahr.

Braille schreiben auf der Punktschrifttafel

Blinde Kinder können mit einer Punktschrifttafel eigenständig Wörter und Sätze in Braille schreiben. Mit einem dazugehörigen Werkzeug, Griffel genannt, werden die Buchstaben der Blindschrift in ein Papier geprägt. Dieses Schreibverfahren hat den Vorteil auch unterwegs schnell und einfach von blinden Kindern genutzt werden zu können. Es gibt ebenfalls Punktschriftmaschinen, auf der jeder Taste ein Punkt des Blindenschriftbuchstabens zugewiesen ist. Um ein Buchstabe zu schreiben, muss gegebenenfalls manchmal auf mehrere Tasten gleichzeitig gedrückt werden. Es ist völlig in Ordnung und sogar ein Muss, dass blinde Kinder von Anfang an mit den robusten und langlebigen Maschinen vertraut werden und mit ihnen Spaß haben können, indem sie mit ihm spielen, Muster machen und es fühlen können. Die Kraft in den kleinen Finger wird somit schon effektiv trainiert, die der blinde Mensch ein lebenslang benötigen wird und es schult zu gleicher Zeit die Interaktion mit den verschiedenen Werkzeugen. Wenn das Kind älter wird, kannst du mit ihm Fingerübungen machen. Sechs Finger, drei links und drei rechts, werden analog zu den sechs Punkten der Brailleschift bezeichnet als Finger 1, 2, 3 und 4, 5 und 6. So erhalten blinde Kinder ein erstes Verständnis über die Blindenschriftzeichen. Es fällt ihnen auf diese Weise auch leichter, zeitgleich mit dem Lesen auch das Schreiben zu verstehen. Anders als sehende Kinder lernen blinde Kinder zuerst die sogenannten linksseitigen Buchstaben a, b und l. Ein erstes Wort zum eigenständigen Lesen und Schreiben ist deswegen gerne Ball. Auf der rechten Seite sind erste Buchstaben p und r.

Eine heitere Tatsache zum Abschluss

Auch blinde Kinder können entweder Links- oder Rechtsleser sein. Es macht am Anfang, das Lehren eventuell etwas umständlicher, aber es ist sehr wichtig, den blinden Kindern zu gestatten, ihre persönliche Vorliebe ungezwungen und spielerisch beim Lesen auszuleben und zahlt sich auf langer Sicht aus, da ihm die Liebe fürs Lernen, Lesen und Schreiben erhalten bleibt.

Schau auch auf der Webseite fakoo.de vorbei. Die informative Webseite beinhaltet neben vielen lebensnahen Informationen über Alphabete behinderter Menschen auch allgemeine Aufklärungen über Sehbehinderung und Blindheit und möchte Vorurteile abbauen.

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